Trauma und Augenkontakt
Sehr häufig fällt Augenkontakt Menschen mit einer Traumatisierung (vor allem sehr frühen Traumatisierungen) schwer.Im Kontakt mit anderen Menschen wird diese Schwierigkeit häufig als Desinteresse ausgelegt. Bei Kindern und Jugendlichen denken Erwachsene dann häufig, dass diese lügen. Augenkontakt ist so schwer, weil er sehr viel Energie in unserem Körper frei setzt und diese Energie kann dann sehr leicht das Window of Tolerance sprengen.
Die entstehende Erregung wird aus unangenehm und nicht mehr regulierbar erlebt und dann – wenn möglich – oft vermieden.Leider entstehen dadurch dann oft soziale Beschränkungen und Einschränkungen.
Scham ist ein weiterer Hinderungsgrund
Einen weiteren wichtigen Punkt möchte ich hier noch ansprechen, auf den ich im Video nicht noch einmal eingehe. Das ist der Faktor der Scham.
Menschen, die als Babys abgelehnt worden sind oder Bezugspersonen hatten, die emotional nicht erreichbar waren, tragen eine tiefe Scham in sich. Die Scham falsch zu sein und nicht liebenswert. Diese tiefe Beschämung lässt Menschen ebenfalls Augenkontakt scheuen.Der Augenkontakt wird oft als unangenehm empfunden oder es steigt innerlich Angst auf wirklich gesehen zu werden. Der Wunsch gesehen zu werden ist für viele Menschen sehr zweischneidig, einerseits haben wir alle große Sehnsucht danach und andererseits haben wir Angst dann auf Ablehnung zu stoßen oder verletzt zu werden.In diesem Video erkläre ich noch weitergehend, warum es häufig für Betroffene so schwer ist Augenkontakt zu machen.
Herzliche Grüße
Dami





Hallo liebe Dami. Dieses Thema ist sehr sehr interessant. Es gibt in der Tat für mich große Unterschiede von Augenkontakt. Viele Menschen wirken z.T. kalt oder abweisend in den Augen. Ich habe aber auch einen besonderen Kontakt, wo beide Seiten länger den Kontakt halten können!! Ich merke zwar dann dass mich der Blick innerlich intensiv berührt (durchschaut) quasi, aber ich fühle mich dann auch wieder geborgen in dem Blick. Und bei der gleichen Person (jetzt werde ich mal ganz konkret) – hatte ich bereits mehrmals die Bitte und das Erlebnis, die Hand von der Person an meinem Herzen zu spüren. Dabei (so war mein Wunsch) in die Augen zu sehen. Es fällt z.T. extrem schwer und ist unglaublich tief berührend, aber auch erleichternd!
Ich empfinde in der Hinsicht keinerlei Erregung sexueller Art, eher verbunden sein und Energie gegenseitig wahrnehmen. Kommt das hin? Ist das für beide Seiten dann so?
Diese Person ist meine Massage – und Körpertherapeutin, die bereits unheimlich viel über mich weiß (was in dem Sinne auch zusätzlich berührt-Scham oder Angst vor Ablehnung?!). Es darf sehr viel Offenheit und Gefühl da sein, geteilt werden und losgelassen werden damit eine Erleichterung da ist.
Ich habe manchmal das Gefühl dass ich mir dieses Herzspüren wünsche, weil ich evtl. SO VIEL Gefühl in meinem Herzensraum habe, dass ich es alleine gar nicht tragen kann und den zusätzlichen achtsamen „Raum“ brauche um den Gefühlen (Energiebewegungen) mehr Platz zu geben. Kann das sein?
Ganz liebe Grüße,
Anita
Liebe Anita,
deine Fragen kann dir nur deine Therapeutin beantworten. Trau dich und frage sie!
Wenn sie deiner Bitte gefolgt ist, dann wird sie auch offen mit dir darüber sprechen.
Herzliche Grüße, Dami
Liebe Dami!
Durch Deinen Beitrag hier bin ich überhaupt erst darauf gestoßen, dass Augen und Trauma zusammenhängen können. Bis dahin hielt ich mich einfach für ein wenig speziell….
Nun beschäftigt mich, ob Augen im klassischen Sinne dissoziieren können. Ich komme darauf, weil in meinem therapeutischen Prozess seit Monaten die Augen ein Thema sind. Ich sehe (und zwar im wörtlichen Sinne) die Welt neuerdings anders, nehme andere Dinge wahr als sonst, sehe mehr Farben…. Die Augen werden damit das erste Mal in meinem Leben überhaupt erst zu einem Sinnesorgan, das zu den anderen (Ohren, Nase, Mund, Haut…) passt, denn über diese Kanäle nehme ich immer schon eher mehr wahr als im Alltag hilfreich wäre.
Ist das theoretisch denkbar, dass sich die Wahrnehmung über die Augen aus Traumagründen auf das Nötigste beschränkt hat und sich das Jahrzehnte später im guten Therapieprozess auflösen kann?
Liebe Grüße!
Liebe Hella,
ja das ist möglich. Ich kenne das auch, nicht so ausgeprägt wie du, aber meine Welt ist auch durch die Traumatherapie damals viel bunter und weiter geworden.
Das hat viel auch mit dem durch Trauma eingefrorenen Orientierungsreflex zu tun.